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[Über Naoto Fukasawa]

Die Designphilosophie von Naoto Fukasawa, einem der führenden Produktdesigner Japans, der auf der Weltbühne aktiv ist, konzentriert sich auf das Konzept von "Without Thought" (ohne Nachzudenken). Dieser Ansatz konzentriert sich auf die Handlungen und Gewohnheiten, die Menschen ganz natürlich ausführen, ohne darüber nachzudenken, und zieht daraus Schönheit und Zweckmäßigkeit. Es geht darum, Dinge zu schaffen, die so integriert sind, dass ihre Anwesenheit als selbstverständlich wahrgenommen wird. Designs, die mit dem Hintergrund des täglichen Lebens verschmelzen, vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit, ohne dass sie dem Benutzer bewusst werden. Dinge, die sich nicht in den Vordergrund drängen, lassen sich nicht von Trends beeinflussen und altern nicht, selbst wenn sich die Zeiten ändern.

Diese Philosophie weist Gemeinsamkeiten mit der von Soetsu Yanagi begründeten Mingei-Bewegung (Volkskunst) auf. Die "Schönheit des Gebrauchs" (Yo-no-bi), von der Yanagi sprach, ist die Vorstellung, dass wahre Schönheit in den Gefäßen und Werkzeugen liegt, die von namenlosen Handwerkern für den täglichen Gebrauch hergestellt wurden. Diese Formen entstehen nicht aus individuellem Ausdruck oder Selbstbehauptung, sondern aus der Befolgung von Natur und Tradition. Ich habe das Gefühl, dass Fukasawas Entwürfe tief mit genau dieser Idee verbunden sind.

Seine Haltung besteht nicht darin, etwas "Besonderes" zu schaffen, sondern vielmehr darin, dass "die Form auf der anderen Seite liegt". Hier bezieht sich "die andere Seite" auf die Menschen und die Umgebung (den Raum). Es ist die Vorstellung, dass ein Design nicht als eigenständiges Objekt existiert, sondern in der Beziehung zwischen Mensch und Ding entsteht. Anstatt die Individualität eines Designers aufzuzwingen, greift er die "gewöhnlichen" Formen auf, die tief in der Erinnerung der Menschen liegen. Zum Beispiel wurde der wandmontierte CD-Player von MUJI, der sich in der Sammlung des MoMA (The Museum of Modern Art, New York) befindet, von der alltäglichen Handlung des Ziehens an der Schnur eines Ventilators inspiriert. Indem er diesem natürlichen Verhalten eine Form gab, schuf er eine Behaglichkeit, die außerhalb der bewussten Wahrnehmung existiert.

Das, was Fukasawa als den "Archetyp" des Designs bezeichnet, ist die gewöhnliche Form, die jeder kennt. Es ist eine paradoxe Ästhetik: Je mehr der Selbstausdruck des Schöpfers zurückgenommen wird, desto mehr treten universelle Schönheit und Funktion hervor. Mit anderen Worten: Ich glaube, dass Fukasawa das, was die Mingei-Bewegung in der Welt des Handwerks praktizierte, als modernes Industriedesign neu interpretiert. Aus dieser Perspektive bin ich von den "neuen gewöhnlichen" Formen, die in der kommenden Zeit entstehen werden, neu fasziniert.

Die von Shokunin.com angebotene Serie "SIWA" ist eine Zusammenarbeit zwischen Fukasawa und Onao, einem Washi-Papierhersteller in Ichikawadaimon, Präfektur Yamanashi. Fukasawa entdeckte, dass das Zerknüllen von "Naoron" — einem reißfesten Shoji-Papier — eine einzigartige Textur erzeugt und die Möglichkeiten von Papier als Gebrauchsgegenstand erweitert. Es ist wahrhaftig ein Design, das mit dem täglichen Leben verschmilzt.

Book Cover von SIWA
https://www.shokunin.com/de/siwa/bookcover.html
Box von SIWA
https://www.shokunin.com/de/siwa/box.html

Referenzen
https://naotofukasawa.com/about/
https://designcommittee.jp/member/fukasawa_naoto.html
https://www.axismag.jp/posts/2021/03/349572.html
https://www.hermanmiller.com/en_lac/stories/why-magazine/asari-chair-by-herman-miller-naoto-fukasawa/
https://www.2121designsight.jp/documents/column/cat598/